ArchitektInnen für K21 - Mittwoch, 22. November 2017
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PROTEST GEGEN DIE VERSTÜMMELUNG DES STUTTGARTER HAUPTBAHNHOFS

Mit Entsetzen und Empörung nehmen wir Kenntnis von der Entscheidung des Stuttgarter Landgerichts, wesentliche Teile des Stuttgarter Hauptbahnhofs zum Abriss freizugeben. Hier sollen im Herzen der Stadt Fakten geschaffen werden unter Missachtung des wachsenden Widerstands der Bevölkerung und des Appells namhafter Persönlichkeiten gegen das Projekt aus dem In- und Ausland. Beschämend und einer Demokratie nicht würdig.

 

Wir protestieren

gegen

die Verstümmelung eines in seiner Gesamtheit bedeutenden Bauwerks von internationalem Rang, das Wahrzeichen der Landeshauptstadt ist. Es steht dem Landgericht Stuttgart nicht zu, über den Abriss der Seitenflügel und wesentlicher Teile des Inneren zu befinden und deren unverzichtbare raumbildende Funktion zu beurteilen, weil ihm dazu die fachliche Kompetenz fehlt.

gegen

eine Planung, die den unverwechselbaren Hauptbahnhof in eine unterirdische Haltestelle eines Durchgangsbahnhofs verwandeln würde. Für die Kesselstadt Stuttgart ist ein Kopfbahnhof ideal. Im Stuttgarter Bahnhof fährt man nicht durch, sondern kommt in der Stadt an.

gegen

die Entmündigung der Denkmalpflege, in deren Obhut der Hauptbahnhof, der Schlossgarten und über ein Dutzend weiterer Bauten und Objekte in der Umgebung stehen. Die Stadt Stuttgart und das Land haben ihr Soll an Vernichtung historischer und schützenswerter Bausubstanz längst erfüllt, siehe Kaufhaus Schocken, Kronprinzenpalais, Steinernes Haus, und viele andere Bauwerke. Wozu dient der Denkmalschutz oder eine Bundesinitiative für Baukultur, wenn sie im Ernstfall nicht zum Tragen kommen?

gegen

einen äußerst fragwürdigen milliardenschweren Umbau der Stadtmitte, den sich einige Politiker und Planer ausgedacht haben, denen man bestürzend mangelnde Kenntnisse ihrer Stadt und Achtung ihrer Bürger bestätigen muss, denen der Oberbürgermeister versprach, einer Bürgerbefragung zuzustimmen, diese jedoch verweigert.

Wir fordern

der fortschreitenden Selbstzerstörung, dem Verlust von Gedächtnis und Stadtqualität unverzüglich Einhalt zu gebieten und den Stuttgarter Hauptbahnhof als städtebaulich-architektonisches Gesamtensemble zu erhalten.

Stuttgart, den 27. Mai 2010,

 

Unterzeichnende:

Kurt Ackermann, Fritz Auer, Max Bächer, Günter Behnisch, Gottfried Böhm, Bertold Burkhardt, David Chipperfield, Jörg Haspel, Rainer Hascher, Norbert Huse, Sebastian Jehle, Arno Lederer, Horst Linde, Uwe Kiesler, Karla Kowalski, Peter Kulka, Christoph Mäckler, HG Merz, Winfried Nerdinger, Roland Ostertag, Jorunn Ragnarsdottir, Richard Sapper, Karl-Josef Schattner, Jörg Schlaich, Joachim Schürmann, Peter C. von Seidlein, Friedrich und Ingeborg Spengelin, Volker Staab, Carlo Weber, Peter Zlonicky.