Donnerstag, 25. August 11 um 11:23 Alter: 6 Jahr(e)

Bonatz-Enkel kämpft um Erhalt des Südflügels

Nach dem Scheitern in zweiter Instanz hat Peter Dübbers beim Bundesgerichtshof Beschwerde eingereicht

Der Südflügel des Stuttgarter Hauptbahnhofes muss aus Sicht des Bonatz-Enkels Peter Dübbers für den weiteren Baufortschritt von Stuttgart 21 nicht komplett abgerissen werden. „Um den Zugang zum neuen Querbahnsteig zu gewähren, reicht ein Durchbruch im 200 Meter langen Flügel.“ Damit würden vor der geplanten Volksabstimmung Ende des Jahres keine unumkehrbaren Fakten geschaffen; denn dieser Eingang könne wieder geschlossen werden. Die Ankündigung der Bahn, der Südflügel müsse bis Ende des Jahres weichen, sei eine „reine Machtdemonstration“, sagt Dübbers. Schon beim vor einem Jahr abgerissenen Nordflügel habe kein Handlungsbedarf bestanden. „Bis heute ist dort neben dem Anbringen einer Werbefläche und einigen kleinen Veränderungen am Parkplatz nichts passiert“, so der 72-Jährige.

Dübbers ist der Enkel des Stuttgarter Architekten Paul Bonatz (1877-1956), nach dessen Entwurf der Bau des Bahnhofs 1922 begonnen wurde. Er hat ererbte Urheberrechte an dem denkmalgeschützten Gebäude und versucht seit langem, die Abbrucharbeiten am Bahnhof zu verhindern. Nach dem Scheitern in zweiter Instanz hat der Architekt beim Bundesgerichtshof (BGH) in Karlsruhe Beschwerde gegen die Nichtzulassung der Revision gegen die Entscheidung des Oberlandesgerichts Stuttgart eingelegt. Das Thema werde aber laut BGH nicht vor Anfang November beraten. Seine Hoffnung ruhe auf Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne), der mit Hinweis auf rechtliche Fragen die Bahn dazu bewegen müsse, bis zur Befragung der Bürger vom Abriss des Südflügels abzusehen. Dabei ist nach Dübbers‘ Ansicht noch immer nicht geklärt, ob das Land sich an einem Bundesschienenwegeprojekt beteiligen dürfe. „Der Hebel ist die Rechtmäßigkeit der Finanzierung.“

Für Dübbers sind die Seitenflügel nicht bloße Anhängsel des Bahnhofsgebäudes. „Die Besonderheit dieses Bahnhofes ist ja gerade, dass er drei gleichberechtigte Fassaden hat.“ Das Bauwerk könne bei allen diskutierten Varianten bestehen bleiben. Er selbst bevorzuge den Erhalt und Ausbau des Kopfbahnhofes, aber sowohl beim Kompromiss-Vorschlag von Schlichter Heiner Geißler als auch beim Entwurf des Architekten Christoph Ingenhoven könne der Flügel erhalten werden. „Da wird es kein Hindernis für die durchfahrenden Züge geben.“

Quelle: http://www.esslinger-zeitung.de/stuttgart/s21/Artikel765264.cfm


 
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