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"... obwohl ich mir jetzt Vorwürfe mache, diesen Vergleich nicht viel früher publik gemacht zu haben"

Ein Brief von Peter Dübbers an den Architekten des Stuttgarter Hauptbahnhofs Ingenhoven zum Thema Brandschutz

OFFENER BRIEF an
Dipl. Ing. Christoph Ingenhoven Freier Architekt BDA

Stuttgart, 13. Oktober 2012

Sehr geehrter Herr Kollege Ingenhoven,

die neuesten Erkenntnisse der Schweizer Gutachter Gruner AG aus Basel über das völlig unzureichende und nicht genehmigungsfähige Brandschutzkonzept Ihres Entwurfs für den Tiefbahnhof S 21 möchte ich zum Anlass nehmen, Ihnen von einem vergleichbaren Projekt - wenn auch nur im Miniaturmaßstab - zu berichten:

In den Jahren 1995-2001 habe ich auf Grund eines Wettbewerbserfolgs die S-Bahn-Station Filderstadt-Bernhausen geplant und zusammen mit der DB AG ausgeführt. Über 2, offen im Luftraum der Station auf Ebene -1 angeordnete Verteilerebenen war die Station mit einem Mittelbahnsteig auf Ebene -2 erschlossen.

Im Planfeststellungsverfahren hat damals weder das Eisenbahnbundesamt EBA noch die örtliche Feuerwehr noch sonst eine Behörde gegen die raumgestalterisch ansprechende Lösung Einspruch erhoben.

Im Laufe der Ausbauplanung kam dann auf Grund neuer Vorschriften vom EBA die Forderung nach mechanischer Entrauchung der U-Haltestelle, die zum Glück mit 2 großen, über Rauchmelder gesteuerte Brandgasvenitalatoren an beiden Enden eines langen Oberlichtbands relativ unauffällig erfüllt werden konnte.

Buchstäblich 5 vor 12, d.h. 2 Wochen vor der feierlichen Eröffnung der Station kam dann die weitergehende Auflage, die Verteilerebenen und die auf den Bahnsteig führenden Treppen bis auf eine Durchgangshöhe von 2,30 m rauchdicht gegen den Haltestellenraum abzuschotten - bei Nichterfüllung hätte die Station nicht zum lange vorher geplanten Termin in Betrieb gehen dürfen! In einer „Nacht- und Nebelaktion“ musste dieser - den Raumeindruck völlig zerstörenden - Forderung mit ordinären Gipskartonwänden nachgekommen werden. Erst gut 2 Jahre später konnte dieses elende Provisorium mit Verglasungen und im Brandfall automatisch schließenden Rauchschutzvorhängen nach langer Überzeugungsarbeit wieder gemildert werden!

Sehr geehrter Herr Ingenhoven, die Parallelen zu Ihrem Entwurf sind unverkennbar, und man kann sich schwerlich vorstellen, dass Herr Ramsauer auch diesmal das  Problem mit Sondergenehmigungen - wie schon so oft - vom Tisch wischt.

Ich wünsche Ihnen viel Spaß bei der Umarbeitung Ihrer Pläne - besser wäre es allerdings, die Gelegenheit zum Ausstieg aus dem totgeborenen Projekt zu nutzen!

Mit freundlichen Grüßen

Peter Dübbers

 

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