Mittwoch, 28. September 11 um 10:48 Alter: 6 Jahr(e)

Der radikale Hund

Heute vor 200 Jahren wurde Friedrich Hecker geboren. Mit seinem Aprilaufstand, dem „Heckerzug“, wollte der Revoluzzer die Demokratie in Deutschland mit Waffengewalt erzwingen.

Der Mann, der zu einem deutschen Mythos werden sollte, wurde am 28. September vor 200 Jahren im nordbadischen Eichterheim in eine Beamtenfamilie hineingeboren. Mit 36 Jahren, in der deutschen Revolution von 1848, war er einer der Anführer der Republikaner, ein Aufständischer gegen die Bestrebungen der Liberalen, sich mit den schon besiegt geglaubten Fürsten Splitterdeutschlands zu arrangieren: der Advokat und badische    Kammerabgeordnete Friedrich Franz Karl Hecker.

„Selten war ein Mann so populär wie Hecker, und das dauerte noch Jahre nach dem Heckerzug fort. Noch Anfang der 1860er Jahre sah ich bei den Schwarzwälder Bauern und in der Umgebung von Freiburg zahlreiche Heckerbüsten und Heckerbilder“, schrieb der sozialdemokratische Journalist Wilhelm Blos 1891.

Im April 1848 führte „der Hecker“ ein republikanisch-demokratisches Kontingent revoltierender Bauern, Arbeiter, Handwerker und Intellektueller gegen die großherzogliche badische Residenz Karlsruhe. Deren Eroberung sollte einen „Flächenbrand in ganz Deutschland“ (Hecker) auslösen und schließlich in der Ausrufung einer Republik nach amerikanischem Vorbild gipfeln. Doch Hecker scheiterte.

Denn die mit dem Segen des Fünfzigerausschusses, der die Paulskirchenversammlung vorbereiten sollte, gegen die Heckerschen in Marsch gesetzten Soldaten aus Hessen und Württemberg liefen am 20. April bei Kandern in Südbaden, dem Ort des ersten und letzten Scharmützels des „Heckerzuges“, einfach nicht über, wie von Hecker erhofft. Republikanische Hilfstruppen hatten sich bei einsetzendem Schneefall zudem im Schwarzwald verirrt. Und das von Georg Herwegh geführte, 5.000 Mann starke republikanische Exilantenheer aus Frankreich stand untätig am Rhein, weil Hecker glaubte, es allen allein zeigen zu können: in Überschätzung seiner militärischen Möglichkeiten und in Unterschätzung der Schlagkraft sowie des Kadavergehorsams der gegnerischen Truppen, die von Friedrich von Gagern – dem Bruder des Chefs der konstitutionellen Monarchisten in der Paulskirche, Heinrich von Gagern – befehligt wurden.


Den ganzen Artikel von KLAUS-PETER KLINGELSCHMITT lesen Sie in der taz vom Mittwoch, 28. September 2011


 
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